Quelle: Ärzte-Zeitung vom 19.10.98
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Der Abschied vom bisher dienstältesten Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer wird im Deutschen Bundestag mit einem Paukenschlag enden. Wenn die neue Koalitionsregierung das Gesetz zur Abschaffung der Kostenerstattung im zahnärztlichen Bereich einbringt, will Seehofer zustimmen. "Das Instrument Kostenerstattung darf nur denen gegeben werden, die auch verantwortlich damit umgehen können", erklärte der scheidende Minister vor einem kleinen Kreis von Journalisten. Seiner Meinung nach gehören die Zahnärzte nicht dazu. Die hätten einen Druck auf Politiker ausgeübt, der nichts mehr mit dem demokratischen Ordnungsgefüge zu tun habe. Auch andere Organisationen im Gesundheitswesen wie die Pharmaindustrie hätten ihre Lobby aufgebaut, so der Minister in einem Rückblick auf seine Amtszeit. Das geschehe aber alles in einem vernünftigen Rahmen. Bei den Zahnärzten nicht: Der Druck sei selbst in den privaten Bereich hineingegangen. Dennoch denkt Horst Seehofer mit ein wenig Wehmut an die Zeit als Gesundheitsminister zurück. Er habe einiges geschafft, auf das er stolz sei. Seine beste Leistung? -"Am meisten bin ich stolz auf das Gesetz zur Organtransplantation." Dennoch fällt der Abschied leichter als erwartet. Seehofer wollte ohnehin nicht mehr nur das Gesundheitsministerium führen: "Irgendwann fehlen neue Ideen." Sein Lieblingsministerium wäre wohl eine Verantwortlichkeit für die gesamte Sozialversicherung gewesen. Seiner Nachfolgerin Andrea Fischer wünscht er Glück. Wenn er am 27. Oktober das Amt übergibt, dann wird er ihr auch einen Rat geben: "Druck auf die Kosten machen, Druck und nochmals Druck. Denn entweder muß mehr Geld ins System, oder die Leistungen sind zu kürzen. Mehr Effizienz kann es nicht mehr geben." Und was macht der Minister a.D. nach dem Abschied? Er bleibt Vizeparteivorsitzender der CSU, er bewirbt sich um den stellvertretenden Fraktionsvorsitz in Bonn. Und dann wird er höchstwahrscheinlich europapolitischer Sprecher. |