Der SPD-Gesundheitsexperte Florian Gerster (Sozialminister in Rheinland-Pfalz) stellt seine Visionen einer Gesundheitsreform vor, die an Zynismus nur schwer zu überbieten sind:Wettbewerb unter Ärzten und Zahnärzten schaffenDZW 01/02Im Rahmen eines Gesamtbudgets für die ambulante Versorgung könnten die Ärzte über die Arzneimittelausgaben im Rahmen eines "Systems kommunizierender Röhren", wie Gerster es darstellt, selbst bestimmen, wie hoch ihre jeweiligen Honorare sind. Würde bei den Ausgaben für Medikamente ein Schwellenwert überschritten, stünde weniger Geld für das Arzthonorar zur Verfügung. Im Gegenzug bliebe bei wirtschaftlicher Versorgungsweise mehr Geld für die ärztliche Bezahlung übrig. Bei den Zahnärzten würde dies, so Gerster, darauf hinauslaufen, daß sich zum Beispiel der Einkauf billigeren Zahnersatzes bei preiswerteren Laboren positiv auf das Honorar der Praxen auswirke. Auch wenn weniger hochwertige ZE-Versorgungen von Zahnärzten verschrieben werden, also kostengünstigere einfachere technische Arbeiten die Zahnärzte im Techniktopf sparen, könnten diese Mittel für die zahnärztlichen Honorare ebenso genutzt werden wie im Bereich konservierend-chirurgischer Therapien. Die Steuerung sollen den zahnärztlichen Selbstverwaltungen selbst unterliegen. Krankenkassen schließen Verträge mit einzelnen Ärzten und Zahnärzten abGerster erklärte in einem Interview gegenüber der Tageszeitung Die Welt, daß sich auch Ärzte und Zahnärzte künftig auf mehr Wettbewerb einzustellen haben. Die einzelnen Krankenkassen sollten mit einzelnen Ärzten und Zahnärzten Verträge abschließen können. Damit soll das Anbietermonopol der Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen gebrochen werden. Der Sicherstellungsauftrag, daß in der Bundesrepublik eine ausreichende Versorgung zu garantieren sei, ist nach Gerster kein Wert an sich, vor allem im Rahmen der Überversorgung mit Ärzten und Zahnärzten. Nur in Mangelsituationen käme dem Sicherstellungsauftrag Bedeutung zu, und von einem solchen könne man nicht sprechen. Großen Widerstand gegen das Aufbrechen der Monopole von KVen und KZVen sieht Gerster nicht. Er meint, daß Ärzte und Zahnärzte überwiegend ein ambivalentes Verhältnis zu ihren Standesorganisationen und hier vorrangig den KVen und KZVen haben. Aber auch die Krankenkassen sollten untereinander verstärkt in Wettbewerb treten. Sie seien heute Riesen auf tönernen Füßen, die dem Überangebot der Anbieter hilflos gegenüberstehen. Künftig sollen sich die einzelnen Kassen aussuchen können, mit welchen Ärzten sie zusammenarbeiten. Die Kassen werden um die besten Anbieter konkurrieren. Gerster: "Dies wird ein Preiswettbewerb, vor allem aber ein Qualitätswettbewerb sein." |