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Im Kreuzfeuer der Kritik

Der mißverstandene DZV-Vorsitzende

Unter diesem bezeichnenden Titel erschien in der Februar-Ausgabe des FVDZ-Organs Der Freie Zahnarzt der folgende Artikel:

Der Vorsitzende des nordrheinischen Deutschen Zahnärzte Verbandes (DZV), Zahnarzt Martin Hendges (Köln), hat es derzeit nicht einfach. Zunehmend muß er sich rechtfertigen und angebliche Mißverständnisse aufklären. Die Akzeptanz in der Kollegenschaft schwindet.

So registrierten die niedersächsischen Freiverbändler mit Argwohn die Ausflüge Hendges nach Osnabrück, Hildesheim und Oldenburg zu Vortragsveranstaltungen während des dortigen KZV-Wahlkampfes. Er soll nicht nur über die Mehrkostenberechnung bei Zahnersatz, sondern auch über den HVM in Niedersachsen - verbunden mit einer "vernichtenden Kritik" am Vorsitzenden der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung Dr. Karl Horst Schirbort - gesprochen haben.

Bei einer Tagung der Vereinigung Demokratische Zahnmedizin (VDZM), bei der Hendges ein Referat über "Die Rolle zahnärztlicher Verbände außerhalb der Körperschaften" gehalten hat (übrigens in Zeiten des nordrheinischen KZV-Wahlkampfes), soll der DZV gut und der Freie Verband weniger gut weggekommen sein. So ist es jedenfalls in der VDZM-Zeitschrift "Der Artikulator" nachzulesen. Hendges dementiert und verlangt eine Gegendarstellung. Die Verfasserin des Artikels, Dr. Angela Demmer (VDZM-Vorsitzende), erklärte aber, sie habe "die Vortragsinhalte stichpunktartig mitgeschrieben, nach bestem Wissen und Gewissen wiedergegeben und entsprechend meiner Auffassung kommentiert".

Aber auch in Nordrhein mehrt sich der Unmut. Das zahnärztliche Wahlvolk honoriert den umtriebigen Einsatz von Hendges für den Berufsstand nicht mehr so recht. Bei den jüngsten KZV-Wahlen in Nordrhein erzielte die von ihm geführte Liste ein sehr mageres Resultat, und er selbst wurde von der Vertreterversammlung der KZV Nordrhein mit einem der schlechtesten Ergebnisse in den Vorstand gewählt.

Ärger verbreitet sich auch, weil das sogenannte Leistungsangebot des DZV sich in vielfältiger Weise vor allem mit Zuständigkeiten der Kammer und des Freien Verbandes überschneiden. Jüngster geplanter DZV-Sproß ist der Medizinische Beratungsdienst der Zahnärzte (MDZ) - ein originäres Betätigungsfeld der Zahnärztekammer. So manches DZV-Mitglied moniert inzwischen, daß die hohen Beiträge offensichtlich in erster Linie dazu dienen, überzogene Aufwandsentschädigung zu zahlen und den DZV-Geschäftsführer Dr. Wolfgang Goetzke zu versorgen, nachdem sich die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) von ihm getrennt hat (er soll 300.000 DM jährlich für seine DZV-Tätigkeit erhalten).

Der DZV wurde als Antwort auf die von den Krankenkassen und Teilen der Politik geforderte integrierte Versorgung (Einkaufsmodelle) gegründet. Nachdem diese Einkaufsmodelle derzeit keine praktische Relevanz haben, wird hinterfragt, weshalb sich der DZV sich nicht auf eine reine Vorratsorganisation mit schlanken Verwaltungsstrukturen reduziert, so wie beispielsweise die Vereinigung unabhängigen Vertragszahnärzte (VuV) in Niedersachsen oder ähnliche Strukturen in einigen anderen Bundesländern.

Zahnarzt Martin Hendges spricht gern und oft von der Synergie zwischen den Körperschaften, Freiem Verband und dem DZV. Aus seiner Sicht macht dies auch durchaus einen Sinn. Denn Hendges ist nicht nur DZV-Vorsitzender, sondern auch Mitglied des Vorstandes der KZV Nordrhein und Vorsitzender der Bezirksgruppe Köln im Freien Verband. Für ihn selbst ist die Ämtervielfalt durchaus mit positiven Wirkungen verbunden. So bezieht Hendges als DZV-Vorsitzender eine monatliche Aufwandsentschädigung von 15.000 DM zzgl. Reisekosten (die letzte Mitgliederversammlung nahm eine Kürzung vor; bis dahin waren es 20.000 DM monatlich); sein Vorstandsamt in der KZV Nordrhein wird ihm mit 4.500 €DM monatlich vergütet. Und wenn Martin Hendges sich beispielsweise dienstags um 14.30 Uhr im dienstlichen Auftrag der KZV Nordrhein aus seiner Praxis begibt und mittwochs gegen 13.00 Uhr nach Hause zurückkehrt, erhält eer für sein aufopferungsvolles ehrenamtliches Engagement zwei Sitzungsgelder à 1.000 DM, zwei Praxis-Ausfalls-Entschädigungen à 750 DM und zwei Tagegelder à 110 DM, insgesamt also 3.720 DM; jeder gefahrene Kilometer mit dem eigenen PKW wird selbstverständlich gesondert - mit 1 DM - vergütet.

Dagegen sind Synergieeffekte für den Freien Verband nicht erkennbar. Während der Landesverband Nordrhein am 1.Januar 1999 - in 1999 wurde der DZV gegründet - 3.224 Mitglieder zählte, waren es am 1. Januar 2001 nur noch 2.966. Im gleichen Zeitraum verlor die von Hendges geführte Bezirksgruppe Köln des Freien Verbandes allein 88 Mitglieder. Der Bundesvorstand des Freien Verbandes sieht diese Entwicklung mit Sorge; ein Gespräch ist inzwischen vereinbart.
GV/ms

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