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Nach jahrzehntelangen Gesundheitsreformen steht die Politik vor einem Scherbenhaufen. Vollmundige Versprechen von Rundumversorgung können nicht eingelöst werden; Ärzte, Zahnärzte, Krankenschwestern sind frustriert, Patienten verunsichert und die Qualität der medizinischen Versorgung in Deutschland hat ihre Spitzenposition längst eingebüßt. Das System ist gescheitert. Statt nun endlich eine grundlegende Reform, die diesen Namen auch verdient, einzuleiten, wird an diesem gescheiterten System weiter herumrepariert und mit bekannter Regelungswut folgt ein Gesetz dem anderen und eine Verordnung der anderen. Extrapoliert man diese Entwicklung, werden Krankenhäuser und Praxen demnächst zu großen Büros mit kleinen Behandlungseinheiten mutiert sein. Praktisch denkenDas soziale Krankenversicherungssystem mit dem komplizierten Geldtransfer verschlingt schon heute Milliardenbeträge, die nicht den Kranken zugute kommen, sondern ein gigantisches Arbeitsbeschaffungsprogramm finanzieren. Kann das im Sinne der Volkswirtschaft sein, dient das unseren Patienten? Gerade uns Zahnärzten wird immer wieder vorgeworfen, es gehe uns nur ums Geld, nicht um die Patienten - unsere Berufspolitiker scheinen dann ins Mark getroffen und bestreiten vehement, dass auch Kommerz eine Rolle spielt. Natürlich geht es auch um Geld! Dazu zitiere ich Herrn Hirzel, den Präsidenten der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft SSO: "Die aus dem Ausland bekannte, unglückliche Trennung in Geld einerseits und Geist andererseits hat in der Schweiz nie stattgefunden. Es ist zu hoffen, dass eine solche auch nie stattfinden wird. Denn in der Praxis sind Geld und Geist untrennbar verbunden und die beiden Elemente müssen im Interesse des Patienten stets gegeneinander abgewogen werden. Wer aus idealistischen Gründen glaubt, die Ethik vom Kommerz abgrenzen zu müssen, leistet der optimalen zahnmedizinischen Versorgung unserer Bevölkerung einen schlechten Dienst." Wären doch unsere Standespolitiker auch zu solch pragmatischer Vernunft bereit! Nur wenn wir uns dazu bekennen, dass auch wir angemessen bezahlt werden wollen und dass Ästhetik und Komfort Geld kosten, kann die politische Diskussion aus ihrer Sackgasse herausgeführt werden. Gemeinsam mit der Politik werden wir zu einem neuen Verständnis dessen kommen müssen, was die Gesellschaft dem Einzelnen schuldet. Auch hier zitiere ich Hirzel: "Es war nie Sinn der sozialen Krankenversicherung, dass jedermann zu Lasten der Solidargemeinschaft unbeschränkt medizinische Leistungen konsumieren kann. Die Solidargemeinschaft darf nur dort in Anspruch genommen werden, wo dem Einzelnen die Übernahme des Schadens nicht möglich ist. Hier ist aber festzuhalten, dass es ebenso wenig Sinn der sozialen Krankenversicherung sein kann, Leistungen zu finanzieren, die nicht medizinisch unerlässlich sind." Balance zwischen Mindestschutz und EigenverantwortungEs ist die vordringlichste Aufgabe der Gesundheitspolitik, und zwar aller Beteiligten, einen Konsens darüber zu finden, was medizinisch zu Lasten der Allgemeinheit zu erbringen ist und was den Menschen selbst zugemutet werden muss. Ein Versicherungssystem, das, ähnlich der Kfz-Versicherung, einen Mindestschutz gewährt und alles, was darüber hinausgeht, in die Eigenverantwortung entlässt, ist zwingend. Diese Versicherung soll jeder dort abschließen, wo er möchte. Wir brauchen über den Mindestschutz hinaus keinerlei Preisregelung, da der Markt, wenn man ihn denn zulässt, die Bäume schon nicht in den Himmel wachsen lässt. Spätestens an dieser Stelle lamentieren Gegner einer liberalen Gesundheitspolitik, dies werde zur "Zwei-Klassen-Medizin" führen - das Gegenteil ist der Fall! Liberalisierung tut notWas haben wir jetzt? Zweifelsfrei eine Zwei-Klassen-Medizin, indem wir zwischen Kassen- und Privatpatienten unterscheiden. Diese Unterscheidung wird durch das Erstattungsverbot sogar noch zementiert. Den Kassenpatienten wird diktiert, welche Versorgungsformen sie zu wählen haben und wo sie sich behandeln lassen dürfen. Der Privatpatient ist in seiner Wahl frei. Was haben die Schweizer? Freie, mündige Bürger, die nach ihren persönlichen Notwendigkeiten, Wünschen und Möglichkeiten Behandlungsform und Behandler wählen. Sie haben, was die Zahnheilkunde angeht, das anerkannt beste und effizienteste Gesundheitssystem in der Welt. Die Zahnarzthonorare des Schweizer Zahnärzte-Tarifs werden bei uns als "Mondhonorare" bezeichnet, die Pro-Kopf-Ausgaben liegen um 25 Prozent niedriger als bei uns. Zu all diesen Argumenten, die an sich schon überzeugend sein sollten, kommt noch eines hinzu: Lässt man in Deutschland durch Liberalisierung einen Gesundheitsmarkt entstehen, könnte dieser Markt etwa eine Million zusätzlicher Arbeitsplätze schaffen. Diese Einschätzung wird jedenfalls von den führenden Ökonomen abgegeben, wie Prof. Hankel versichert. Ein Bundeskanzler, der sich daran messen lassen will, wie er das Problem Arbeitslosigkeit löst, kann eigentlich nicht offenen Auges die Chance ausschlagen, ein Viertel der jetzigen Arbeitslosen in Lohn und Brot zu bringen. |