Die verpaßte Chance der ZahnärzteschaftIn seinem Kommentar in der DZW 32/98 verglich Jürgen Pischel die Standespolitik mit einer Rappelkiste. Ein sehr treffender Vergleich, ist sie doch bekanntermaßen eine Kindersendung und im Niveau durchaus vergleichbar mit der Professionalität unserer Standesführung. Es ist nur leider viel zu spät, jetzt ein Auseinanderdriften innerhalb der zahnärztlichen Positionen zu beklagen, und auf das Hauen und Stechen zwischen den Körperschaften und Verbänden zu schimpfen. Daß die Zahnärzteschaft inzwischen so gespalten ist, liegt allein daran, daß Kollege Schirbort mit seiner Politik einen Scherbenhaufen hinterlassen hat. Eine große Reform wurde durch Selbstüberlistung zur Farce, die Zahnärzte stehen jetzt schlechter da als vorher. Das Schlimme ist, daß der Vorstand der KZBV der Politik die Argumente für den Wortbruch erst geliefert hat. Es wurden im Gesetz bewußt schwammige Formulierungen in Kauf genommen, um Interpretationsmöglichkeiten zu erhalten. Diese wurden dann Anfang des Jahres auch bis zur Erschöpfung strapaziert. Im Wahlkampffieber ließ uns der Kollege Schirbort wissen, sobald ein außervertragliches Element in eine Zahnbehandlung einfließe, werde diese in toto außervertraglich, und der Heil- und Kostenplan gebührenpflichtig. Damit wären fast alle ZE-Behandlungen außervertraglich gewesen. Das war nun des Guten eindeutig zuviel. Sehr schnell mußte der KZBV-Vorstand seine Position dahingehend korrigieren, daß Arbeiten, bei denen eine Trennung in außervertragliche und vertragliche Elemente möglich sei, auch im Ansatz des Steigerungsfaktors aufgesplittet werden müssen. Da aber war das Kind bereits im Brunnen. Alle Patientenschützer der Republik hatten bereits beschlossen, daß man die Zahnärzte dringend in ihre Schranken verweisen muß. Und so haben sich dann Politik und Krankenkassen, Verbraucherverbände und die Presse schnell auf uns eingeschossen. Als dann Kollege Schirbort noch äußerte, er nehme persönlich bei keramikverblendeten Kronen nicht den 2,3 fachen Satz, werde aber für das Recht anderer Kollegen, solches zu tun, kämpfen, war für die versammelte öffentliche Meinung klar, daß die Zahnärzte wieder den Hals nicht voll kriegen. Inzwischen stehen wir da, aus allen Wunden blutend, und haben die Schlacht an allen Fronten verloren. Der Rückzug hat uns weit hinter die ursprünglichen Linien geführt. Man macht uns inzwischen die außervertraglichen Kronen jenseits der Verblendgrenzen streitig. Die GOZ soll geändert werden, der 1,7 fache Satz wird festgeschrieben für Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen - und wer weiß, für wen noch. Ja, die ganze Reform soll zurückgenommen werden, da die Zahnärzte sich als unwürdig erwiesen haben. Und ich sage es noch einmal: Die Argumente haben wir selbst geliefert! Was hat unsere Standesführung daran gehindert, die VMK-Krone als außervertragliche Leistung im Gesetz festschreiben zu lassen? Wenn die Politiker dies nicht wollten, dann hätte man sich über die Gründe Gedanken machen müssen, anstatt die Politik auf so platte Weise zu überfahren. Der Gemeinsame Ausschuß der Zahnärzte und Krankenkassen hätte diese Festlegung treffen können. Und wenn die Krankenkassen dies nicht wollten, hätte es uns zur Vorsicht mahnen sollen. Die schönste Möglichkeit wäre es gewesen, auf die unklaren Formulierungen im Gesetz hinzuweisen, die Möglichkeiten darzustellen, die sich für die Zahnärzte daraus ergeben, und dann zu verkünden: "Wir verzichten auf extensive Auslegungen"! Mit der Unterstützung durch eine gute Pressearbeit hätte die Zahnärzteschaft der Öffentlichkeit klarmachen müssen, was wir nehmen könnten, und was wir aus Verantwortungsgefühl gegenüber unseren Patienten und gegenüber dem Gelingen der Reform tatsächlich nehmen. Derjenige, der 2,3 fach liquidiert, erhält keine Unterstützung, sondern Tadel. Wenn wir uns so klar von Anbeginn auf die Seite unserer Patienten, die auch Angst vor der Reform hatten, gestellt hätten, wären wir nicht so angreifbar gewesen. Wir hätten die Chance gehabt, eine gute Presse zu haben, und die Praxen wären vielleicht nicht so leer. Nun versuchen einzelne Verbände und vor allem Körperschaften Schadensbegrenzung zu betreiben, Ein Einlenken, das uns nicht mehr als Einsicht und verantwortungsvolles Handeln angerechnet wird, sondern als Niederlage. Prompt werden sie in altbekannter Manier als Abweichler und Störenfriede zur Ordnung gerufen. Und es wird die mangelnde Solidarität der Zahnärzteschaft beklagt. Der Verantwortliche dieser Politik gründet derweil eine Privat-KZV, in der er - welche Überraschung - Vorsitzender ist. Und das, nachdem er denjenigen, die die KZVen erhalten wollen, vorgeworfen hat, sie wollten nur ihren Posten erhalten. Ein Posten in einem Groß-Einkaufsmodell ist da natürlich viel moderner. Bewundernswert, wie Schirbort seinen Mantel immer in den richtigen Wind zu hängen versucht. Aber wenn er sich schon einmal mit seiner Garderobe beschäftigt - wäre es nicht eine gute Idee, er nähme endlich seinen Hut? Dr. RO Eric Banthien |